Königsfeld, ein Sonntag im November. Draußen weht kalter Wind über die Dächer, drinnen im Bürgerhaus aber herrscht gespannte Aufbruchstimmung. Knapp siebzig Bürgerinnen und Bürger sind gekommen – alteingesessene Familien, Zugezogene, junge Eltern, Senioren sowie Kinder und Jugendliche. Sie alle eint ein Ziel: gemeinsam darüber nachzudenken, wie Königsfeld im Jahr 2040 aussehen soll.

Ortsbürgermeister Günter Dietzler begrüßt die große Runde mit sichtlicher Freude:
„Es ist großartig, dass heute so viele da sind. Denn nur gemeinsam können wir unser Dorf weiterentwickeln.“

Unterstützt wird er von Dorfplanerin Nathalie Franzen, die den Prozess der Dorfkonferenz moderiert. Sie erklärt, worum es geht: nicht um bloße Pläne auf dem Papier, sondern um Ideen von den Menschen, die hier leben. Demokratie im besten Sinne – zum Mitmachen, Diskutieren, Gestalten.
Ein Dorf in Bewegung
In der Mitte des Saals steht eine große Pinnwand – und sie füllt sich rasch. Auf bunten Karten notiert die Dorfplanerin, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Dorfkonferenz ihr mitteilen, was ihnen an Königsfeld gefällt und was sie verändern möchten. Rot steht für Schwächen, Gelb für Handlungsbedarf, Grün für Stärken.
Die Sammlung zeigt: Königsfeld ist ein Ort mit Herz und Gemeinschaftssinn, aber auch mit Herausforderungen, die viele bewegen – von der Verkehrssicherheit über Treffpunkte bis hin zur Zukunft der Nahversorgung.
Es wird lebhaft diskutiert, gelacht, manchmal auch gestritten – ein Zeichen, dass es hier um echte Anliegen geht.

Nach der gemeinsamen Sammlung ordnen sich die Teilnehmenden in Themengruppen. Jede Gruppe widmet sich einem Bereich – von Dorfgemeinschaft bis Umwelt – und arbeitet konkrete Vorschläge aus.



Am Ende des Nachmittags, als es draußen schon dunkel ist, werden die Ergebnisse vorgestellt, präsentiert und mit großem Applaus bedacht.
Mit einem Augenzwinkern beschreibt die Moderatorin diesen Moment als Busreise mit unerwartetem Zeitsprung, bei der die Königsfelder ihr Dorf in 2040 besichtigen konnten: Die Königsfelder steigen symbolisch ein, lassen die Gegenwart hinter sich und landen im Jahr 2040 – dort, wo ihre Ideen, Träume und Wünsche Form annehmen.
Hier geht es nicht um das Machbare von heute, sondern um die Vision eines Königsfelds von morgen – so, wie es sich seine Bürgerinnen und Bürger wünschen, wenn alles möglich wäre.
Dorfgemeinschaft und Vereine: „Miteinander füreinander – gemeinsam besser“

In einer der Gruppen steht das Thema Zusammenhalt im Mittelpunkt.
Die Idee eines Dorfgemeinschaftsvereins begeistert viele: Er soll künftig Projekte bündeln, Feste organisieren und Ansprechpartner für neue Initiativen sein.
Eine digitale Informationsplattform soll helfen, die Kommunikation zwischen Vereinen und Bürgern zu verbessern.
Auch die Begegnungsorte im Dorf sind Thema – der Wunsch nach einer Kneipe oder Gaststätte als Treffpunkt, einem Jugendtreff mit eigenen Räumen und einem zentralen Dorfplatz mit sportlichen Angeboten.
„Alt hilft jung, jung hilft alt“ – dieses Motto beschreibt, was viele in Königsfeld antreibt. Gemeinsam wollen sie ein lebendiges, solidarisches Dorf gestalten.
Mehrgenerationenplatz: Treffpunkt für alle

Die zweite Gruppe plant schon fast ein kleines Paradies: den Mehrgenerationenplatz am Bürgerhaus.
Er soll Bouleplatz, Tischtennisplatte, Grillplatz und Outdoor-Küche, Bolzplatz, Fitnessgeräte und sogar eine Kneippanlage vereinen. Es soll eine „Scheune“ gebaut werden als Lagerort für die vielen privat untergestellten Materialen der Vereine. Die Scheune soll aber auch einen Raum für die Jugend beinhalteten.
Geplant sind Dorfgemeinschaftstage, ein Mundartpfad, Töpferaktionen für Kinder – kurz: ein Ort, an dem sich Generationen begegnen.
Auch das Bürgerhaus soll stärker in den Alltag integriert werden: für gemeinsame Kochaktionen oder für eine Krabbelgruppe. Und eine Verbindung zum Sportplatz – vielleicht mit einem kleinen Wohnmobil-Stellplatz – rundet die Idee ab.
Verkehr und Infrastruktur: Sicher unterwegs

In der dritten Gruppe geht es um das Thema, das fast jedes Dorf bewegt: Verkehr und Straßen.
Königsfelds Hauptstraße soll verkehrsberuhigt werden, vor allem für Kinder und Senioren. An der Neuenahrer Straße wird eine sichere Querung für Kindergartenkinder gefordert.
Die Anbindung an die A61, die Entschärfung des Königsfeld-Dreiecks und eine bessere Taktung des ÖPNV stehen ebenfalls auf der Liste.
Ziel ist ein „sicherer, attraktiver und nachhaltiger Verkehr in Königsfeld für Groß und Klein“. Auch die Infrastruktur für E-Bikes und E-Autos soll ausgebaut werden – ein deutlicher Schritt in Richtung Zukunft.
Nahversorgung: Heute sichern, morgen erhalten

Dass Königsfeld noch über eine Bäckerei mit Café und einen Nahversorgungsmarkt verfügt, sehen die Teilnehmer als große Stärke. Doch der Blick richtet sich nach vorn:
Wie könnte der Dorfladen erweitert werden, vielleicht nach bayerischem Vorbild mit regionalen Produkten?
Auch ein digitaler Service-Terminal für Anträge oder Postdienste wird vorgeschlagen – modern, aber nah am Menschen.
So soll die Nahversorgung langfristig gesichert bleiben, unabhängig von Supermarktketten und Großstädten.
Umwelt und Grünflächen: „Grün gewinnt!“

Im letzten Themenblock geht es um das, was Königsfeld ausmacht: Natur, Landschaft und Umwelt.
Die Ideen sprießen: Patenschaften für Pflanzbeete, Hundekot-Tütenspender, Nisthilfen, Schwalbenhäuser und eine Baumallee am künftigen Mehrgenerationenplatz.
Auch die Pflege bestehender Bäume und die Vermeidung von Flächenversiegelung liegen den Teilnehmenden am Herzen.
Geplant ist zudem eine Kooperation mit dem NABU – inklusive eines Infoabends für Interessierte.
„Grün gewinnt!“ – das Motto könnte kaum besser passen.
Aufbruch mit Zuversicht
Als sich der Nachmittag dem Ende zuneigt, ist der Saal erfüllt von Energie – und von dem Gefühl, gemeinsam etwas bewegt zu haben.
Dorfplanerin Nathalie Franzen zieht ein positives Fazit:
„Ich bin beeindruckt, wie engagiert hier diskutiert wurde. Die Menschen in Königsfeld wissen genau, was sie wollen – und sie haben Lust, es auch umzusetzen.“
Bürgermeister Günter Dietzler nickt zustimmend:
„Das war ein starker Auftakt. Jetzt geht es darum, aus Ideen Projekte zu machen. Königsfeld hat heute gezeigt, dass Zukunft hier nicht nur gedacht, sondern gemacht wird.“

Königsfeld 2040 – ein Dorf, das anpackt.
Die nächsten Schritte sollen Mitte/Ende Februar 2026 folgen, wenn Arbeitsgruppen gebildet und konkrete Projekte gestartet werden.
Weitere Informationen gibt es unter
👉 www.dorfplanerin.de/koenigsfeld
(Text & Fotos: Ralf Breuer)